Regeln zum Modellflug in Frankreich

(Stand: 01.04.2021 o.O.)

In Abstimmung mit der FFAM*), der UFOLEP**) und Finesse+***) werden folgende Regeln für den Modellflug für Modellpiloten in Frankreich dargestellt. Die neuen ab 01.01.2021 geltenden EU-Verordnungen werden dabei in Frankreich anders interpretiert als z. B. in Deutschland. Deshalb gibt es signifikante Abweichungen, die der Modellpilot zu beachten hat, um nicht in die Gefahr erheblicher Strafen (von Bußgelder über die Beschlagnahme bis zu Gefängnis) zu kommen.

  1. Die EU-Verordnungen und die sich daraus ergebenden rechtlichen Regelungen zum Betrieb eines Flugmodells in Frankreich

Ungeachtet der neuen Europäischen Verordnungen (UE) 2019/945 und 947 sind in Frankreich die Regeln anders zu beachten.

Der unter Alpha Tango abzulegende Kenntnisnachweis ist weiter erforderlich, wenn man außerhalb der „Open Category“ im nationalen Rahmen fliegen möchte. Der Kenntnisnachweis wird demnächst angepasst. Er wird dann 40 Fragen an Stelle von bisher 20 haben und dann wohl Kompetenznachweis heißen. Aber er wird auch eine Erleichterung hinsichtlich der Antworten bringen. So müssen nur noch 75% an Stelle von bislang 100% der Fragen richtig beantwortet werden.

Auch für die Registrierung und das Anbringen der AUS-FR-xxx-Nummer gilt das Gleiche.
Wer nicht in der „Open Category“ fliegen möchte, muss diese, wie bisher auch lt. DGAC haben und anbringen. Wer über eine solche Nummer verfügt braucht stattdessen die EU-Kennzeichnung nicht anbringen. Hier wird aber an einer Konvergenz gearbeitet.

  1. Transponderproblemantik

a) Grundsatz zum Einsatz des Transponders

Ausländische Modellpiloten benötigen grundsätzlich und auf allen Plätzen diesen Transponder (genannt: Balise de signalement électronique – Hersteller: BALIZ Naveol):

Folgende technische Daten dazu:

  • Versorgungsspannung 4.8V bis 8.4V (2S Li-Po / Li-Fe / Li-Ion).
  • Stromverbrauch im Betrieb: 90mA
  • Arbeitsfrequenz: 2.437 Ghz (Kanal 6 Wifi).
  • Sendeleistung: 19.5 dBm. (Reichweite > 3 Km)
  • Antenne auf der Platine integriert
  • Abmessungen mit 3 PINs: 44.3mm x 19.9mm x 10.7mm.
  • Gewicht: 9g.

Weitere Angaben unter: http://www.naveol.com/DS_NAVEOL_BALIZ_RevD.pdf

Ursprünglich war für dieses Teil einmal ein Preis von EUR 5 im Gespräch. Ganz schnell wurde dieser dann vom früheren Präsidenten der FFAM auf EUR 10 angehoben. Mittlerweile steht er z.B. für EUR 45 hier im Programm: https://www.weymuller.fr/index.php?modcontent=6&op=rech&motscles=balise

Zum Zeitpunkt der Fertigung dieses Berichts wer er aber weder lieferbar noch ist eine Lieferfrist bekannt.

Dabei ist auf folgendes hinzuweisen. Jedes Modell benötigt grundsätzlich seinen eigenen Transponder. Einen Austausch innerhalb von Modellen ist nur im Rahmen der von AlphaTango (https://alphatango.aviation-civile.gouv.fr) festgelegten Gewichtsklassen erlaubt. Diese sind:

800 g – 2000 g
2000g – 4000 g
4000g – 25 kg
25kg – 150 kg
> 25 kg

Als Beispiel:
Es werden zwei Modelle a) und b) mit einem Gewicht von 2.300 gr und 3.900gr geflogen. Innerhalb dieser Grenze: hier 2.000gr -4000gr kann dann der Transponder von Modell a) in Modell b) und zurück gewechselt werden.

b) Ausnahme von der Transponderpflicht

Um davon ausgenommen zu werden, bedarf es zweier erfüllter Bedingungen
– sie müssen Mitglieder der FFAM oder UFOLEP sein und
– auf einem AIP-Platz fliegen (hier sind aber 36 Plätze wiederum mit der
Transponderauflage belastet).

(https://www.ffam.asso.fr/fr/pratiquer-l-aeromodelisme/les-localisations-d- aeromodelisme.html).

Dies setzt folglich eine Mitgliedschaft in der FFAM voraus. Hierfür wird ein Beitrag von 44,- EURO/Jahr fällig. Darin ist auch die für Frankreich vorgeschriebene auf jeden Fall gültige Haftpflichtversicherung enthalten (weitere Details hier: https://www.ffam.asso.fr). Man darf dann bis zu 150 mal an einen Hang/Platz (wer immer das auch kontrollieren und zählen will). Der Verdacht besteht, dass dies eine verdeckte Maßnahme der FFAM ist, die teils gravierenden Mitgliedsrückgänge aufzufangen. Unabhängig davon kann man damit auch mit der jeweiligen Zustimmung des Vereins problemlos auf deren Plätzen fliegen.

Eine weitere Möglichkeit ist noch in der Überlegung. Ein sogenannter „passport touristique“. Er soll einmalig im Jahr erwerbbar und eine Laufzeit für 30 (Kalender-)Tage haben und ist nicht erneuerbar. Auch hier ist schon länger eine Modifikation in der Überlegung. Aber weitere Details sind dazu noch nicht bekannt.

c) Einige Fragen dazu:

  1. Wer kontrolliert die Daten aus dem System? Werden diese (automatisch) an die DGAC gesandt oder liegt da irgendwo ein Polizist mit einem Empfänger im Gebüsch?

Antwort:
Im Moment wird das noch nicht kontrolliert. Das Innenministerium hat bislang lediglich für die sensiblen Bereich um die Flughäfen, Gefängnisse und Atomanlagen stationäre Geräte aufgestellt. Des Weiteren kann die Kontrolle der Transponder nur durch die „Gendarmerie des transports aériens (BGTA)“ Luftfahrtpolizei erfolgen. Nur deren Beamte verfügen über diese Zuständigkeit. Das bedeutet auch, dass der „einfache“ Polizist für eine Überprüfung rechtlich gar nicht zuständig ist. Üblicherweise, und dies ist und kann keine Empfehlung zu einem Rechtsbruch sein, ist die BGTA personell schwach aufgestellt. Aber Anwendungen im Bereich „free access” sind und werden weiter entwickelt, um über Mobiltelefone zu funktionieren und Daten zu senden. Damit kann dann jeder Polizist überprüfen, ob der Transponder sendet. Diese Erkenntnis kann dann rechtlich gegen den Modellpiloten verwandt werden.

  1. Wie steht es mit der Betriebssicherheit des Modellempfängers durch Interferenzen beim Einsatz des Transponders, der ja auch auf 2,4 GHz arbeitet?

Hier gibt es keine Sicherheit. Von dem Verband finesse+ wurde bereits im August 2019 auf mögliche Störungen hingewiesen. (http://www.finesseplus.org/2019/08/01/signalement-electronique-si-nous-parlions-enfin-technique).

Diese wurden jedoch nach Tests durch die FFAM, der diese Transponderpflicht zu verdanken ist, als gegenstandslos zurückgewiesen. Es hat sich jedoch gezeigt, dass es unter bestimmten Voraussetzungen beim Einsatz bei Jeti-Anlagen schon zu Störungen gekommen ist. Weiter ist auch auf den Stromverbrauch des Systems hinzuweisen. Bei kleineren Modellen mit Akkus geringer Kapazitäten kann es durchaus zu Problemen kommen. Es wird deshalb empfohlen, für den Transponder eine eigene Versorgung vorzusehen.

  1. Was ist bei Modellen, die aus CfK und anderen absorbierenden Materialien hergestellt sind zu beachten?

Hier muss die Antenne des Transponders nach außen verlegt werden. Der Pilot ist verantwortlich für die Funktionsfähigkeit seines Systems. Sollte das zwar eingebaut, aber nicht funktionsbereit sein, kann dies ein Bußgeld nach sich ziehen.

Fazit: Bis zu einer letztendlich gerichtlichen Klärung ist es empfehlenswert, Mitglied der FFAM zu werden, um ohne Transponder an den jeweiligen AIP-Plätzen fliegen zu dürfen. Zumal man auch eine gültige Haftpflichtversicherung damit erwirbt. Jeder FFAM-Verein ist aufgefordert einem Interessenten diese Mitgliedschaft, ohne weitere Ausgaben zu verschaffen.

Wer diesen Weg nicht gehen möchte, dem bleibt nur die Möglichkeit, den Transponder zu kaufen, wenn er denn verfügbar ist.

Derzeit gelten auch in Frankreich, Corona bedingt, weitreichende aber befristete Ausnahmen.

**) (L’Union Française des Oeuvres Laïques d’Education Physique – in etwa: ein Anhängsel des franz. Sportministeriums und nationalem Olympischen Komitees)

***) (eine Organisation, die sich der Wahrung des ferngesteuerten Modellflugs in der Ebene, an der Küste und im Gebirge verschrieben hat)

****) (Direction générale de l´aviation civile; deutsch: Zivilluftfahrtbehörde)

Immer aktuelle Änderungen im RC-Network unter https://www.rc-network.de/threads/gesetzgebung-für-modellflug-in-frankreich.691570/

Armin Obrecht

3 Kommentare

  1. Martin Röttgen sagt:

    Hallo Armin Obrecht,
    ich hatte mich im April durch die neuen franz. Verordnungen durchgekämpft und hab mich nach einer gewissen Verzweiflung und Verwirrung an den Verband finesse+ bzgl. dem Transpondereinsatz gewandt, da der Verband FFAM in der Vergangenheit nicht aussagefähig war.
    Ich habe folgende Antwort bekommen ungekürzt:
    —–Beginn Email-Antwort
    Dear Martin,
    The electronic identification device is now mandatory in France except on declared fields.
    You may find the declared slopes on our site at : https://www.finesseplus.org/rc-slopes/
    The declared slope have an AIP number, indicated in the description on the left.

    Le Petit Ballon is a declared slope. You do not need to have an electronic identification device to fly there.

    Regarding Alpha Tango portal, your inscription as a foreigner is not mandatory, only for you to feel more secure regarding French authorities.

    The new EU-regulation will move to an UAS operator number that will be granted by your aviation authority. The EU-regulation does not allow an European citizen to be registered in several countries. As this number has not been granted yet by all national authorities, we can still continue to fly “as before”.

    I have been talking recently with fellow model associations as the DMFV, this subject is pending in Germany.

    It is true that Alpha Tango now ask for your electronic ID except if you declare flying only on declared fields. You have to tick the case on the site.

    The final aim of the new regulation, EU 2019/947 and French drone law is to prevent model fliers to fly elsewhere than declared fields.

    If you have a valid insurance, you can continue to fly at le Petit Ballon and other declared slopes.

    Welcome back to fly in France !
    Best regards,

    Didier FRUTIEAUX
    Président de Finesse Plus
    Tel : 06.80.48.25.51
    association@finesseplus.fr
    https://finesseplus.org/
    FINESSE PLUS, ASSOCIATION FRANCAISE DE DEFENSE DU PLANEUR RC ET DE L’AEROMODELISME DE PLAINE, DU LITTORAL ET DE MONTAGNE.
    220 bis avenue de Verdun 92130 Issy-les-Moulineaux,
    Association loi de 1901, déclarée le 2/11/ 2016 à la préfecture de Paris, sous le n° W751236177, publiée au JO du 12/11/2016
    —— Ende Email-Antwort

    Laut dieser Email benötige ich an zugelassenen Plätzen mit AIP-Nummer wie z.B. am Petit Ballon auch als Ausländer keinen Transponder. Diese Nachricht habe ich an einen Freund geschickt, der an der franz. Grenze wohnt und regelmäßig am Petit Ballon fliegt. Diese Aussage wurde von ihm bestätigt.

    Jetzt bin ich richtig verwirrt. Was stimmt jetzt? Die Diskussion auf RC network hat nicht gerade zur “Entwirrung” beigetragen, da behauptet wird den Versicherungsschutz gäbe es in Fr nur über einen fr. Verband.

    Es gibt in Frankreich noch einen Helpdesk, den man anschreiben könnte um hoffentlich Klarheit über die tatsächliche Gesetzeslage zu bekommen.

    Für jede klärende Information bin ich dankbar!
    Viele Grüße
    Martin Röttgen

    1. Armin Obrecht sagt:

      Hallo Martin,
      ich weiß nicht so recht, was ich Dir anderes antworten soll. Mein Englisch ist nicht ausgeprägt genug, um eine solche aus dem französichen ins englische übersetzte Sache sinnvoll wieder ins deutsche zu transformieren.
      Ich halte mich da lieber an die Originaltexte und -sprache und gehe von dort aus. Diese Antwort stammt von Didier Frutieaux, dem “Chef” von finesse+, einem Verband dem ich neben der FFAM auch angehöre.
      “Bonjour Armin,
      Ils ont raison (das war die Anfrage an Didier, weil mir die FFAM dieses berichtet hatte wollte ich sicher gehen) si le modéliste étranger n’est pas membre d’un club FFAM ou UFOLEP.
      Pour être exempté de la balise il faut deux conditions :
      -Voler sur un terrain AIP
      – Être membre de la FFAM ou UFOLEP (pareil que la FFAM)
      C’est pour cette raison que nous travaillons avec une nouvelle fédération qui a reconnu l’aéromodélisme. L’adhésion à Finesse+ permettra de s’abriter sous ce nouveau parapluie.
      Nous comptons pouvoir l’annoncer avant l’été, ce qui sera la solution pour les modélistes étrangers.
      Demander l’adhésion obligatoire à la FFAM (44€ / an) est un vrai scandale, qui est de plus contraire à la constitution française. En effet, celle-ci garantit la liberté d’association dans notre pays.
      La DMFV a déjà écrit en ce sens à la DGAC (notre autorité aéronautique nationale) pour protester, la DGAC n’a fait que confirmer cet état de fait !
      Bien cordialement,
      Didier”
      Und daraus ergibt sich leider zweifelsfrei, dass man nur dann ohne Transponder fliegen darf, wenn man auf einem AIP-Gebiet fliegt und Mitglied der FFAM, UFOLEP, FFAM ist. Genau das steht auch unter #443 in rc-network. Und das wurde mir auch so von der FFAM mitgeteilt (da bin ich auch Mitglied). Insoweit sehe ich keine Änderung der Sach- und Rechtslage).
      Ich wohne auch an der Grenze. Bin in zwei französischen Modellflugvereinen und fliege auch am Petit. Du siehst, diese Attribute für sich ergeben noch keine Klarheit. Ich weiß, dass diese Regeln sogar den meisten Franzosen nicht bewusst sind. Man könnte auch sagen: sie sind ihnen egal.
      Es wird i.ü. meines Wissens nirgends behauptet, es gäbe in F nur Versicherungsschutz über die FFAM, Wenn doch bitte ich um Angabe der Quelle. Tatsache ist, dieser Versicherungsschutz ist (bedauerlicherweise) noch immer nationales Recht. Es gibt keine internationalen Abkommen dazu (an dem Thema arbeite ich schon seit fast 10 Jahren). Deshalb weiß man bislang auch noch nicht, ob im Zweifel eine deutsche Versicherung in Frankreich anerkannt wird. Die Tatsache, dass die Versicherung behauptet, weltweiten Schutz zu bieten, heißt noch lange nicht, dass man mit ihr auch in anderen Ländern tatsächlich fliegen darf. Als Beispiel sei hier die FFAM-Versicherung genannt. Mit dieser darf man in D noch nicht einmal vom Boden abheben, ohne nicht gleich mit dem Strafgesetzbuch in Konflikt zu gelangen. Hierzu habe ich die Stellungnahme des Reg-Präs. KA vorliegen und dieses auch an den DMFV und der FFAM (hier in übersetzter Form) zur Verfügung gestellt. Ergebnis: beide Verbände sagten, das sei nicht ihr Problem, sondern das des anderen. Also es kann sein, dass die deutsche Haftpflicht in F sogar gilt. Nur weiß das bis heute noch niemand genau (wird vermutlich erst im Schadensfall durch die Gerichte geklärt werden. Dann aber viel Spaß). Also, nichts Genaues weiß man nicht. Deshalb habe ich meine Versicherung in D und F. Was den Helpdesk anbelangt, habe ich mich dessen noch nie bedient. Aus Erfahrungen mit solchen Dingern erwarte ich mir da keine Klarheit. Wenn Dir das hilft, versuche es. Es wurde sogar schon die französische Botschaft konsultiert. Das Ergebnis war so nichts sagend wie noch etwas.

  2. Martin Röttgen sagt:

    Hallo Armin,
    vielen herzlichen Dank für deine sehr ausführliche Antwort!
    Anscheinend haben wir beide vom Presidenten des Verbandes “Finesse+” Didier Frutieux zwei unterschiedliche Aussagen bekommen.
    Du hattest noch die Info bekommen, dass im Sommer eine Lösung für ausländische Piloten erwartet wird anscheinend abweichend von den oben genannten Punkten.

    In drei Wochen will mein Verein für 4 Tage an den Petit Ballon fahren. D.h. wir werden für 4 Tage Mitglied bei FFAM oder wir müssen den Ausflug wg. fehlender Mitgliedschaft absagen!
    Ich gehe mal davon aus, dass man den “passport touristique” noch nicht erwerben kann?

    Nochmals vielen herzlichen Dank für deine Einschätzung der Sachlage!

    Viele Grüße
    Martin

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